Haben wir je darüber nachgedacht, was wir den Kindern vor dem Schlafen vorlesen? Es sind wahrscheinlich alles beliebte Märchen, die wir seit unserer Kindheit kennen. Sie sollen unseren Kindern Moral beibringen, die Unterschiede zwischen Gutem und Bösem zeigen und den Wunsch kultivieren, ein Retter zu sein, wenn die Schwachen sich in Gefahr befinden. Tatsächlich setzen sie in das Unterbewusstsein eines Kindes bestimmte Verhaltensmuster, die in den familiären Beziehungen weiter verstärkt werden, und werfen die Erwachsenen ständig in dramatische Situationen, von denen es sehr schwierig ist, heraus zukommen. Darüber schrieb Stephen Karpman 1968  in seinem Artikel “ Märchen und Transaktionsanalyse“ der auch als Erster “ Das Drama Dreieck “ beschrieb, als ein psychologisches und soziales Modell der Interaktion zwischen den Menschen. Auch hat er Lösungen vorgeschlagen, um aus diesemDreieck rauszukommen.

Zurück zu den Geschichten und dem Grund, warum sie mit dem Drama des Lebens verbunden sind. Es lohnt sich zu bemerken, dass es immer noch eine formelle Teilung von Märchen für Mädchen und Jungen gibt, die das Problem noch weiter verschärft….

Wie wir wissen, kommen alle Kinder mit bereits festgelegten Merkmalen von Charakter in diese Welt. Jemand ist ruhig, jemand ist aktiv, jemand ist neugierig, jemand ist kreativ, jemand ist ein Träumer, jemand ist ein Forscher, jemand hat alles in einem. In einem Wort – verschiedene! Also, wenn wir als Eltern ein Märchen vorlesen, legt das Kind in den Schliessfächer seines Unterbewusstsein Folgendes fest:

Es gibt einen Held. Er ist freundlich, mitfühlend, fürsorglich, einfallsreich, leichtgläubig, liebt Natur und Tiere, seine Familie und alle Menschen auf der Welt, schätzt Freundschaft, träumt und geht zu seinem Ziel. Wenn es ein Märchen für ein Mädchen ist, dann ist ein Held (meist eine Heldin) von den anderen verletzt und unrecht behandelt worden, die Bösen versuchen ihn (sie) zu töten oder einzuschränken, und zwingen, harte Arbeit zu leisten. Was für ein Gefühl erleben wir jetzt? Richtig – Mitleid! Und dann helfen die Bäume, Vögel, Tiere, Feen und andere magische Kreaturen aus dieser Situation rauszukommen. Und als Belohnung für all seine (ihre) Leiden, wird der Held (die Heldin) am Ende Reichtum, Hochzeit und ein Schloss erhalten. Und sie lebten glücklich bis Ende ihres Lebens! Und was fühlen wir jetzt? Freude, aber gleichzeitig Neid? Ich will das auch haben!?

In den Märchen für Jungs sieht das Ganze ein wenig anders aus. Der Held (die Heldin) hat ein grosses Ziel (meistens ist das ein Kampf um Gerechtigkeit, die Rettung des Volkes oder die Freilassung einer engen Person). Er (Sie) erreicht dieses Ziel auf jeden Fall, egal welche Hindernisse auf ihn (sie) warten. Auf dem Weg werden dunkle Wälder, hohe Felsen, böse Tiere und Banditen, Drachen und Neider getroffen. Nur treue Freunde können dabei helfen, diesen Weg bis zum Ende zu gehen! Wie fühlen wir uns jetzt? Mitgefühl? Wut gegenschlechte Figuren des Märchens? Sobald alle Hindernisse überwunden, alle Bösen, die im Weg stehen, getötet werden, wird das grosse Ziel erreicht. Der Held (die Heldin) bekommt Ruhm, Anerkennung und Geschenke. Und was fühlen wir jetzt? Stolz? Und es spielt keine Rolle, dass die Tiere getötet wurden, die Köpfe der Drachen abgeschnitten sind, und die Neider in einem fairen Kampf erstochen wurden!

Woist die Moral hier?! Es heisst dann, dass man entweder die Position des Opfers übernehmen und warten soll, bis jemand kommt und uns rettet, oder kopfüber hineinstürzen und die Hindernisse überwinden muss, um Glück, Ruhm, Reichtum und Anerkennung zu erreichen. Vergessen wir auchnicht, dass jedes Böse seine eigene Wahrheit hat!!!!! Was bedeutet, dass der Held in einem Moment, abhängig von den Umständen, die Position des Opfers, des Täters oder des Retters annimmt. Er wird wegen Umständen im Gefängnis der Situation gehalten. Oder wegen Muster und Prägungen??? Wer kreiert diese Situation? Ich oder alle um mich herum? Das Verstehen des Problems ist bereits der erste Schritt zur Lösung!